Historisches über die Gaststätte

Historische Ansicht von Cöpenick

Bauherr des im Jahre 1908 errichteten Miethauses Berliner Straße 19 (heute Oberspreestr. 148) war der Gastwirt Wilhelm Janke. Er betrieb im Nebenhaus in der Berliner Straße 18, die Gaststätte "Ruhwald" nebst Biergarten. So lag es nahe, dass er für dieses Gebäude entsprechende Räumlichkeiten für ein Restaurant mit plante. Nach dessen plötzlichen Tod im Jahr 1909 wurde die Gastwirtschaft an Carl Waldow verpachtet, der diese zu einer respektablen Adresse in der Köllnischen Vorstadt aufbaute, mit Schankstube, Vereinszimmer, einem separaten Raum für Feierlichkeiten sowie mit einem Biergarten zur angrenzenden Westendstraße. Waldow reflektierte auf die Nutzer der Bahnstrecke von Schöneweide nach Spindlersfeld (der Bahnhof Spindlersfeld wurde am 01. April 1890 eingeweiht) und auf Trauergesellschaften, die nach einer Beisetzung auf dem in der Rudower Straße gelegenen Köpenicker Friedhof einen letzten Abschied nehmen wollten. Nicht zu vergessen die Arbeiter und Angestellten des gegenüber gelegenen Wäschereibetriebes der Wilhelm Spindler AG, die hier gern ihre Getränke zum Feierabend verzehrten. Außerdem befand sich unmittelbar vor dem Haus die Endhaltestelle der Köpenicker Straßenbahn, die seit 1902 zwischen dem Bahnhof Köpenick und dem Bahnhof Spindlersfeld verkehrte. Carl Waldow begrüßte in seinem Restaurant an einem Samstag im Juni 1909 den aus der Haft entlassenen Wilhelm Voigt, besser bekannt als der "Hauptmann von Köpenick". Voigt ließ in jenen Tagen in Köpenick Photoaufnahmen von sich und dem Rathaus machen, die er in verschiedenen Lokalitäten selbst signierte und verkaufte. In dem er über seinen "Coup" und sein Leben liebenswürdig Auskunft gab, konnte er etwas Kapital aus den Geschehnissen im Rathaus schlagen. Sein Auftritt sorgte in dem gerade eröffneten Restaurant von Carl Waldow für ausgelassene Heiterkeit, weil er die Ereignisse phantasievoll ausmalte und dadurch seine Zuhörer zu begeistern verstand. Die Familie Waldow bewirtschaftete ihre Restauration in den schwersten Zeiten des 20. Jahrhunderts über fast fünf Jahrzehnte bis Mitte des Jahres 1956. 

Anfang des Jahres 1957 wurde das Restaurant verstaatlichtet, rekonstruiert und 1958 als HO-Gaststätte namens "Zur Tankstelle" neu eröffnet. Bis zum Mai 1990 fungierte diese als eine beliebte Wohngebietsgaststätte, die eine preiswerte und  schmackhafte deutsche Küche anbot. Der Name "Zur Tankstelle" leitete sich von der neben der Gaststätte im Jahre 1956 neu errichteten "Minol"-Tankstelle ab, die Herr Regalski mit Fleiß und Tatkraft über mehrere Jahrzehnte bewirtschaftete.

Im Mai 1990 wurde die Gaststätte durch Detlef Pischel privatisiert, der bereits seit Mitte 1985 die Geschicke des Objektes als Gastwirt leitete. Diese Gastwirtschaft firmierte weiterhin unter dem über 40 Jahre eingebürgerten Namen, den jedoch die meisten Stammgäste nur liebevoll als ihren "Tanker" bezeichneten. Am 03. Januar 2012, dem 80. Todestag des Wilhelm Voigt, erfolgte eine zeitgemäße Umbenennung in Gaststätte "Zum Hauptmann von Cöpenick", weil die gastronomische Einrichtung am Anfang der Köllnischen Vorstadt das "Eingangstor" zur Köpenicker Altstadt bildet. Hier erhalten interessierte Touristen nicht nur ein abwechslungsreiches Angebot an  regionalen deutschen Speisen, sondern auch Informationen über Wilhelm Voigt und seine Zeit und weshalb sein berühmter Husarenstreich überhaupt gelingen konnte.

Der Namensgeber der Gaststätte erheiterte, wie bereits erwähnt, im Jahre 1906 mit seinem Coup viele Menschen auf der ganzen Welt und rückte Köpenick für ein paar Tage in den Blickpunkt des Weltgeschehens. Touristen verbinden noch heute nach über 100 Jahren bei einem Besuch Köpenicks mit dem "Hauptmann von Köpenick" den Raub der Stadtkasse. Für das Team der Gastwirtschaft ist Geschichte mehr als die des Hauptmanns. Hier erhalten Sie in aufgelockerter Form Interessantes und Wissenswertes über die Rolle Cöpenicks und Spandaus als die "Geburtshelfer" der Schwesterstädte Cölln und Berlin oder über die Geschichte der Familie Spindler als Wäschereibesitzer und Wohltäter unseres Städtchens.

Übrigens wird seit 1930 Köpenick amtlich mit "K" geschrieben.